Lackiererei droht das Aus

 

Erst vor kurzem hat die Lackiererei eröffnet, jetzt steht sie schon wieder vor dem Aus. Grund dafür sind Einwände der Stadtverwaltung. Doch die Probleme der Lackiererei sind in München kein Einzelfall.


Die Lackiererei hat erst diesen Oktober eröffnet, doch nun steht sie nach wenigen Wochen bereits vor dem Aus. Eigentlich sollte auf dem 1200qm großen Areal ein Platz für Künstler, Ateliers und Bands entstehen. Initiiert wurde das Projekt von der Kulturmeierei und sollte mehr Raum für die Hinterhof-Kultur in München schaffen. Die Lokalbaukommission möchte ein sofortiges Nutzungsverbot erwirken. Kommt sie damit durch, muss die Lackiererei schließen. Am Montag fällt die Entscheidung.

 

Die BetreiberInnen werden mit vielen Vorwürfen konfrontiert: Einige AnwohnerInnen fürchten um ihre Nachtruhe. Wie der Münchner Merkur berichtete, ist unter ihnen auch David Süß, Besitzer des in der Sonnenstraße gelegenen Nachtclubs Harry Klein. Andere beschweren sich über Lärm oder Gäste, die angeblich in den Innenhof urinieren.

 

„Diese Anschuldigungen sind haltlos", sagt Stefanie W., Pressesprecherin und Mitinitiatorin des Projekts. „Vergangenen Montag bei der Eröffnung der Fotomuc Ausstellung wurde die Polizei gerufen mit der Begründung, es steige eine riesige Facebook-Party mit Massenbesäufnis. Als dann zwei Polizisten in Zivil anrückten, stellten diese schnell fest, dass die Anschuldigen nicht stimmen. Es war eine normale Vernissage."

 

Wirft man einen Blick auf das Programm der Lackiererei, bestätigt sich dieser Eindruck: Statt nächtelanger Parties stehen ein Tatortabend, ein veganer Brunch oder die Dichter-Lesung von July auf dem Programm. Schwer vorstellbar, dass die InitiatorInnen hier eine Alternative zur Sonnenstraße schaffen wollen. Aus diesem Grund ist das Unverständnis der BetreiberInnen groß – sie wollten nur Hinterhof-Kultur nach Haidhausen bringen, mehr alternative und kulturelle Räume schaffen. Sie betonen, dass sie sämtliche Auflagen erfüllt hätten und alle Veranstaltungen korrekt angemeldet waren. Jetzt fühlen sie sich missverstanden, können den Aufmarsch weniger Lackiererei-GegnerInnen bei den Behörden nicht nachvollziehen. „Keiner von denen, die sich beschweren, ist zu uns gekommen. Keiner von denen hat sich mit uns an einen Tisch gesetzt.", sagt Stefanie.

 

In München mangelt es an kulturellen Freiräumen. Den wenigen bestehenden Initiativen werden von den Behörden Steine in den Weg gelegt, die Lackiererei ist kein Einzelfall. Auf dem Gelände der alten Leonrod-Kaserne sollte mit dem Kreativquatier ein Raum für KünstlerInnen und Kultur entstehen. Doch auch hier kommt es zu Problemen mit Behörden.

 

Die Stadt lasse die MieterInnen und KünstlerInnen bei der Planung völlig außen vor, beklagt Peter Heilrath, der mit seiner Filmproduktionsfirma Mieter auf dem Kreativquartier ist. „Es ist völlig intransparent, wie die einzelnen Referate die Gestaltung des Geländes umsetzen“, sagt er. Zudem kritisiert er, dass es wiederholt zu Vermietungen durch Das Kommunalreferat kam, die dem Zweck des Geländes zu wider laufen: „Hier sind zum Teil regelrecht unter Geheimhaltung Vermietungen entstanden, wie Autowerkstätten und Abbruchfirmen. Die Entscheidungen über die Nutzung einzelne Räume durch das Kommunalreferat wird oft unter mafiös anmutenden Bedingungen getroffen". Dies geht auch zu Lasten anderer Einrichtungen, die aber dringend auf dem Gelände notwendig sind. Denn das Kreativquartier soll eine Begegnungsstätte sein, nicht nur für Kulturschaffende, sondern auch für KünstlerInnen und BürgerInnen. Dies kann aber nur funktionieren, wenn für BesucherInnen genügend Anreize bestehen, um das Gelände zu besuchen. Statt Autowerkstätten bräuchte es Cafés und Räume für Performances. So wirkt das Kreativquartier nach heutigem Stand trist und wenig einladend, was vor allem für die ansässigen Projekte und Initiativen zu bedauern ist.

 

Beide Fälle zeigen: es muss dringend ein Umdenken bei der Stadtverwaltung einsetzen. Muss am Montag die Lackiererei endgültig schließen, ist das ein Schlag ins Gesicht für alle Kulturschaffenden. Bestätigt München am Ende wieder sein Image von Provinzialität und dass es jenseits vom immer gleichen Sonnenstraßen-Mief nichts zu bieten hat? Ich hoffe nicht. Denn diese Stadt hat eine bunte Kulturszene verdient und alle, die sich dafür einsetzen, Unterstützung. Ich würde mir wünschen, dass sich die Lokalbaukommission im Fall der Lackiererei doch noch besinnt.

 


FL; Foto: AK

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Kommentare: 4
  • #1

    PeterPan (Montag, 27 Oktober 2014 18:56)

    Schöner Artikel! Hoffentlich geht es gut aus für die Lackiererei. Die würde ich sehr gern einmal besuchen...

  • #2

    Lucie (Dienstag, 28 Oktober 2014 12:51)

    Das ist so typisch für die Münchner Stadtverwaltung. Kaum wird Kreativität und Individualität durch eine neue Räume geschaffen, mischen sich alle jene ein, die Angst vor der Veränderung haben. München ist leider oft nur an der Oberfläche der Dinge interessiert, aber nicht an dem was dahinter liegt. Was soll den groß passieren? Außer das es endlich wieder einen wunderbaren Platz zum Treffen, schaffen und kommunizieren gi..es ist sehr schade, dass nun auch die Lackierei bangen muss.

  • #3

    Aleks (Dienstag, 28 Oktober 2014 17:48)

    So eine Unverschämtheit. Wir waren beim veganen Brunch dabei. Es war ruhig und friedlich und die Anwohner*innen haben sich um 12/13 Uhr mittags (!!!!) über Lärmbelästigung beschwert. Ich stimme dem Kommentar von Lucie absolut zu. In München musst du dich regelmäßig mit dem KVR anlegen, um nur einen cm Freiraum zu gewinnen.

  • #4

    Nörgler (Donnerstag, 30 Oktober 2014 01:10)

    Das KVR ist doch nur ein Exekutivorgan. Die Kleingeistigen, die ihre "Ruhe" haben wollen, aber drei Straßen weiter herum pöbeln, wenn die Lieblingskneipe aus gleichem Grund, nur durch andere "Idioten" veranlasst, schließen muss, die bewirken den Tod der Kulturellen