Wem gehört die Mensa?

 

Zum Semesterbeginn stellte die Mensa an der Leopoldstraße auf Selfservice um. Nicht zur Zufriedenheit aller. Einige StudentInnen rufen zum Kulinarischen Ungehorsam auf!


Eigentlich wollten die FreundInnen Janek Piorr, Gregor von Uckermann und Julia Worch nur zu Mittag essen. Doch zwei Wochen vor Semesterbeginn stellt das Studentenwerk die Mensa an der Leopoldstraße auf Selfservice um. Die Folgen: Preiserhöhungen, lange Wartezeiten und eine geringere Auswahl. Die drei rufen die Initiative Kulinarischer Ungehorsam ins Leben und protestieren gegen die Umstellung.

 

Gerade am Anfang des Semesters zeigte sich die Mensa an der Leopoldstraße von ihrer schlechtesten Seite. Der Grund war die Umstellung der Mensa an der Leopoldstraße auf den sogenannten Selfservice. Dabei belegen die StudentInnen selbstständig ihre Teller, statt das dies wie zuvor durch die MitarbeiterInnen geschieht. An der Kasse ermittelt sich der Preis nach Gewicht, die StudentInnen wiegen selber. Getestet wurde das System bereits am Salatbüffet, nun wurde es für alle Speisen und Gerichte eingerichtet. Die Preise errechnen sich pro hundert Gramm. Die Umstellung brachte bisher erhebliche Probleme mit sich: So sind die meisten Gerichte teurer geworden, das Wiegen und die Selbstbedienung führen zu erheblichen Wartezeiten, das Preissystem ist intransparent und die Auswahl hat sich vor allem im Mittelpreissegment reduziert.

 

Janek Piorr, Gregor von Uckermann und Julia Worch waren ihr ganzes Studium hindurch regelmäßige Mensa-BesucherInnen. Die drei JuristInnen stehen kurz vor dem Examen in Jura. Sie waren mit der Umsetzung der Umstellung auf Selfservice so unzufrieden, dass sie Protest organisierten: Unter dem Titel Kulinarischer Ungehorsam gründeten sie eine Facebook-Gruppe, verteilten Flyer und befragten die StudentInnen zu ihrer Meinung zur Umstellung.

 

„Das Studentenwerk legitimierte die Umstellung damit, dass es eine Umfrage gegeben habe. Dort sollen sich die StudentInnen für den Selfservice ausgesprochen haben.“, erinnert sich Janek. „Zwar gab es eine Umfrage, aber dies war nur eine Zufriedenheitsbefragung. Aus dieser hat sich keinesfalls ergeben, dass sich die StudentInnen eine Umstellung wünschen.“ Kulinarischer Ungehorsam beklagt vor allem die Kommunikation mit dem Studentenwerk. Als die Gruppe in der Mensa Flyer verteilten, wurde ihnen dies untersagt und sie mussten auf dem Universitätsgelände vor dem Schweinchenbau flyern. „Das ist schon absurd. Unternehmen dürfen zu Werbezwecken flyern – aber möchte man selbst etwas für die politische Auseinandersetzung an der Uni machen, die Studenten informieren, dann wird es verboten. Man muss sich zwangsweise fragen: Wem gehört eigentlich die Mensa?“

 

Bis heute gibt es keine schlüssige Erklärung des Studentenwerks für die Umstellung: „Offiziell heißt es, dass der Selfservice die Zukunft der Gastronomie sei. Das führe zu mehr Auswahl und besserer Qualität.“, erklärt Janek weiter. Aktuell schränkt der Selfservice jedoch die Auswahl massiv ein, vor allem bei den Beilagen. Bei unserem gemeinsamen Mensa-Besuch mit Kulinarischer Ungehorsam gab es drei Beilagen – Balkangemüse, Nudeln und Pommes Frites. Der Speiseplan versprach noch Griesnockerlsuppe, Petersilienkartoffeln und Reis, die aber an unserem Aufgang nicht verfügbar waren. Große Auswahl und die Zukunft der Gastronomie sehen anders aus. „Wer Salat essen möchte, wird weiterhin gezwungen, den teuren Selfservice zu nutzen. Die Mensa sollte aber für die StudentInnen sein, die schnell und günstig essen wollen.“, kritisiert Gregor.

 

Der Kulinarische Ungehorsam zeigt jedoch bereits Wirkung: 1200 Unterschriften haben die InitiatorInnen bisher gesammelt. Seit dieser Woche gibt es in der Mensa eine Pasta-Bar. Beilagen werden wieder portioniert und mit einheitlichen Preisen angeboten. Alles, weil das Team von Kulinarischer Ungehorsam weiter Druck ausübt. Dennoch besteht noch immer Handlungsbedarf: „Die Auswahl an den Beilagen muss dringend erhöht werden. Und das Mittelpreissegment muss wieder hergestellt werden.“, beschreibt Janek die weiteren Ziele der Initiative. Am Semesterende wird es in Kooperation mit dem Studentenwerk und der StuVe eine Umfrage über das Selfservicesystem geben, diesen Freitagabend findet ein Gespräch an der LMU mit allen interessierten StudentInnen statt. Mittlerweile ist das Studentenwerk auf den Kulinarischen Ungehorsam zugegangen und steht in regelmäßigem Austausch mit den Aktiven.

 

Wie geht es weiter an der Leopoldstraße? Aktuell hat man den Eindruck, dass die Umstellung auf Selfservice ein einziger Reinfall war und nun sukzessive zurück genommen wird. Das mag auf der einen Seite erfreulich sein, hat jedoch auch seine Nachteile: Auf den Kosten für die Umstellung bleibt das Studentenwerk sitzen. Geld, das für eine Umstellung ausgegeben wurde, die von den StudentInnen niemals verlangt worden ist. Geld, das zum Teil aus den StudentInnenbeiträgen kommt und eigentlich der Verbesserung der Situation der StudentInnen dient. Es zeigt sich, wie wichtig es ist, dass die StudentInnen weiterhin Druck ausüben, ihre Meinung kundtun und sich diese Bevormundung und Beitragsverschwendung durch das Studentenwerk nicht gefallen lassen.

 


Mehr zu kulinarischer Ungehorsam auf deren Facebookseite oder beim Infogespräch am Freitag, den 07.11.2014, um 17:00 Uhr im großen Sitzungssaal der Studentenvertretung (Leopoldstraße 15).


FL; Foto: Kulinarischer Ungehorsam

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