Waldfriedhof - eine Geschichte entsorgter Weihnachtsbäume

Was passiert mit den Weihnachtsbäumen nach den Feiertagen? Der Münchner Gestalter Max Westphal war von dieser Frage so besessen, dass er Fotos von den verendenden Tannen gesammelt hat. Daraus ist jetzt ein Buch entstanden.


Angefangen hat alles im Februar 2013: Eine Nordmanntanne, arglos entsorgt, steckt in einem Parkscheinautomaten. Was für die meisten Passanten keinerlei Besonderheit darstellt, fasziniert Max. Als eine Freundin am nächsten Tag selbigen Weihnachtsbaum ein paar Meter weiter in einem Mülleimer wiederfindet, schickt sie Max ein Foto. Max ist von nun an von den im öffentlichen Raum entsorgten Tannen begeistert. Er beginnt Fotos von entsorgten Bäumen zu sammeln und postet

diese auf Facebook. Weitere Bekannte reagieren: sie schicken ihm Fotos mitunter aus ganz Europa: Auch in Wien, London und Vilnius werden Weihnachtsbäume im Stadtbild entsorgt. So sind mittlerweile etwa 80 Fotos entstanden:

Manche traurig, manche absurd, allesamt sehenswert. Max geht es um den Weihnachtsbaum als Fremdkörper im Stadtraum. Doch irgendwann ist das Facebook-Album nicht mehr der geeignete Ort für die Weihnachtsbäume. Nach einem Exkurs auf seinen eigenen Blog Max’ Blog erscheint eine Auswahl der Fotos nun in Buchform unter dem Titel Waldfriedhof.

 

Max Westphal an der Arbeit an seinem Buch Waldfriedhof, das Fotos von Weihnachtsbäumen zeigt, die im öffentlichen Raum entsorgt wurden.
Max Westphal an der Arbeit an seinem Buch Waldfriedhof, das Fotos von Weihnachtsbäumen zeigt, die im öffentlichen Raum entsorgt wurden.

„Dieses Buch ist nicht nur ein Einblick in das Nachleben der Weihnachtsbäume, sondern auch eine kleine Städtereise“, meint Max, der in München Kunstgeschichte studiert. Sicherlich wirkte sich sein Studium auf den Blick auf die Tannen aus – denn in der verdorrenden Bäumen steckt allerlei Vergänglichkeit: „Die Tanne ist ein Symbol für Gemütlichkeit und Heimeligkeit mit der Familie am Weihnachtsabend. Danach ist der Baum nicht mehr viel wert.“, sagt Max. „Aber auch die ganze Situierung als Fremdkörper, dieses Schauspiel, das interessiert mich.“

 

Der Weihnachtsbaum, von allem Menschen geliebt und geschätzt. Doch spätestens nach dem 6. Januar stören die meisten Bäume nur noch. Eine Tanne, aus der Natur geholt, um für zwei Wochen zuhause zu stehen, nur um dann als Müll zu enden. Der Weihnachtsbaum ist wahrlich ein Symbol unserer Wegwerfgesellschaft. Dabei muss die Tanne nicht unbedingt entsorgt werden: Vor allem die mit Garten haben die Möglichkeit, Bäume über die Feiertage ein- und auszutopfen. MancheR verzichtet bereits gänzlich auf die Tanne. Die Ökonomie der Weihnachtsbäume war für Max zwar immer von Interesse, stand aber nie im Vordergrund. „Damit müssen sich wohl andere auseinandersetzten. Mir ging es vielmehr darum, Denkanstöße zu liefern.“ Für ihn geht es um die ästhetische Dimension der sterbenden Bäume. So ist auch der Titel des Buches, Waldfriedhof,  entstanden – dieser bezieht sich auf ein Foto, welches einen entsorgten Weihnachtsbaum zeigt – unter einem Wegweiser zum Würzburger „Waldfriedhof“.

Das Titelbild des Waldfriedhofs. Für 5 € könnt ihr beim Kafe Kunst Festival eines der 100 Einzelstücke erwerben.
Das Titelbild des Waldfriedhofs. Für 5 € könnt ihr beim Kafe Kunst Festival eines der 100 Einzelstücke erwerben.

Gedruckt wurde das Buch übrigens mit einem speziellen Druckverfahren, der Risographie. Dabei sind die Fotos schwarz-weiß, nur die Bäume sind in einem kräftigen Grün hervorgehoben. Das unterstreicht den skurrilen und absurden Charakter der Bilder. „Das Druckverfahren hat einen sehr handgemachten, rauen Charakter. Aber gleichzeitig einen sehr warmen. Das passt zu den Weihnachtsbäumen.“, so Max. Die Maschine für diesen Zweck nutzte er im Irrland, einem Treffpunkt der Münchner Do-It-Yourself-Szene. Käuflich erwerblich ist der Waldfriedhof am 22. Februar auf dem Kafe Kunst Festival, danach auch über Max’ Webpage. Wer jetzt Lust an einem der Bücher hat – die übrigens allesamt Einzelstücke sind - muss sich ranhalten, denn die Auflage ist mit 100 Stück relativ gering. Bei Erfolg könnte es jedoch mit dem Waldfriedhof weiter gehen, wenngleich Druck und Publikation für Max der vorläufige Höhepunkt sind. Alternativ Unterwegs kann nur empfehlen, beim Kafe Kunst Fest vorbeizuschauen. Dort könnt ihr nicht nur den Waldfriedhof erwerben, sondern auch mit Max persönlich sprechen.


FL; Fotos: Max Westphal


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Kommentare: 1
  • #1

    Josefine (Samstag, 21 Februar 2015 16:08)

    Tännchens Tode. Sieht gut aus!