Vielfalt statt Einfalt - Kundgebung am 28.03.

Am Samstag, den 28. März, wollen die Besorgten Eltern in München demonstrieren. Unter dem Namen Vielfalt statt Einfalt hat sich nun ein breites Bündnis zusammengeschlossen: Dazu gehören zivilgesellschaftliche Verbände, Initiativen und Parteien. Sie wollen gegen die homophobe Hetze der Besorgten Eltern demonstrieren und zeigen, dass München für Toleranz und Akzeptanz verschiedener Lebensentwürfe eintritt.


Wer auf der Weltnetzseite der Besorgten Eltern recherchiert, findet dort entlarvendes Material: Ein Hinweis auf die Sonderausgabe des Compact-Magazins mit dem Titel „Feindbild Familie – Politische Kriegsführung gegen Eltern und Kindern.“ Weitere Schlagzeilen darin sind „Geburtenabsturz“, „Schulfach Schwul“, und „Raubtierfeminismus“. Mit anderen Worten: Die Schwulen sind schuld. Und der Feminismus sowieso. Herausgeber des Compact-Magazins ist niemand anderes als der Verschwörungsfetischist und Rechtspopulist Jürgen Elsässer. Ein genauerer Blick auf die Besorgten Eltern zeigt, dass es sich um ein Netzwerk aus radikal-evangelikalen ChristInnen, VerschwörungstheoretikerInnen und FaschistInnen handelt. Das Label Besorgte Eltern ist dabei nicht viel mehr als das bürgerliche Mäntelchen. Um es kurz zu sagen: Wer möchte, dass unsere Kinder von diesen Besorgten Eltern beschützt werden, kann kaum das Kindeswohl im Auge haben.

 

Die Besorgten Eltern richten sich gegen die „Frühsexualisierung“ von Kindern. Was sie darunter genau verstehen, erklären

sie nicht. Stattdessen schüren sie diffuse Angst, Aufklärung über sexuelle Vielfalt diffamieren sie als „Indoktrination“. Die Besorgten Eltern vertreten eine homophobe Ideologie und verteufeln Homosexualität als Gefahr für die Familie. Sexualkunde und die Vermittlung von sexueller Vielfalt bezeichnen sie als Kindesmissbrauch. Diese Themen sollten aus den Bildungsplänen verschwinden, fordern sie – und verschließen damit ihre Augen vor der gesellschaftlichen Realität.

 

Die Besorgten Eltern verbreiten vor allem eines: Krude Lügen. Das zeigt schon ein Blick auf die „Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung in den Bayerischen Schulen“. Hier steht weder etwas von Frühsexualisierung, noch von der Vermittlung verschiedener sexueller Identitäten. Stattdessen wird ein heteronormatives Bild vermittelt: Heterosexualität ist die alleinige soziale Norm. Was davon abweicht, fällt erst mal unter den Verdacht, falsch zu sein. Diese Stigmatisierung hat selbstverständlich Folgen: Unter homosexuellen Jugendlichen ist die Suizidrate vier Mal so hoch wie unter heterosexuellen. Allein diese Zahl zeigt, wie nötig ein Kurswechsel ist.

 

Dies ist einer der Gründe, warum es in München nun ein breit angelegtes Aktionsbündnis gibt. Dabei geht es Vielfalt statt Einfalt nicht nur darum, auf den Reformbedarf in unseren Lehrplänen hinzuweisen. Darüber hinaus möchte das Aktionsbündnis auch den besorgten Eltern entgegentreten und zeigen, dass in München auch für vielfältige Lebensentwürfe Platz ist. So gibt es am Samstag, den 28. März, eine Kundgebung. Das Motto: „München demonstriert Vielfalt: Gemeinsam für Akzeptanz in Bildung und Gesellschaft“. Breite Unterstützung kann dem Bündnis dabei gewiss sein: Zahlreiche Verbände aus Zivilgesellschaft und Politik unterstützen das Bündnis, ebenso die GEW – Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

 

Die Besorgten Eltern mögen zwar eine Minderheit sein, aber man sollte sie dennoch nicht unterschätzen. Vielfalt statt Einfalt befürchtet, dass die Besorgten Eltern einen Roll-Back anstoßen könnten: „Die Gefahr ist, dass Inklusion und Vielfalt vor der Abwehr solcher Parolen zurückstecken müssen“, sagt Dorothea Weniger von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Zwar könnten LehrerInnen prinzipiell sexuelle Vielfalt im Unterricht zu thematisieren, doch viele schreckten davor zurück, solange das Thema nicht explizit im Lehrplan verankert sei. „Viele Lehrkräfte sind befristet angestellt. Da ist das Ansprechen der sexuellen Vielfalt im Schulunterricht Kamikaze.“ Die Angst vor einem solchen Roll-Back ist durchaus gerechtfertigt: Erst vergangenes Jahr sympathisierten konservative PolitikerInnen und Teile der Medienlandschaft mit den „Besorgten Bürgern“ von Pegida. So trugen sie Hetze gegen Flüchtlinge und Islamophobie in die Mitte der Gesellschaft. Eine solche Entwicklung wäre auch im Falle der Besorgten Eltern möglich: „Die Gefahr ist, dass durch die gemeinsame Praxis der Austausch und die Vernetzung zwischen den verschiedenen Gruppen entstehen kann.“,

sagt Colin Turner. Er unterstützt nicht nur das Bündnis, sondern ist auch Mitarbeiter von Nicole Gohlke (MdB) - die Abgeordnete der Linken ist eine von bisher 15 ParlamentarierInnen, die Mitglied im Bündnis sind.

 

Aus diesem Grund wird das Bündnis Vielfalt statt Einfalt am Samstag, 28. März, demonstrieren – unabhängig, ob die Besorgten Eltern kommen oder nicht. Das Bündnis möchte nicht nur gegen Homophobie und faschistoide Parolen auftreten – sondern vor allem für Vielfalt, Toleranz und die freie Wahl der Lebensentwürfe werben. München soll zeigen – wie schon bei den Demonstrationen gegen Pegida und Bagida – dass es eine offene, tolerante Stadt ist. Und dass es in München keinen Platz für Hass und Hetze gibt. Denn um ehrlich zu sein: Viel mehr Angst als die Frühsexualisierung macht mir persönlich, dass Kinder und Jugendliche nicht mehr zu sich selbst stehen können. Dass sie irgendwann in der freien Ausübung ihrer Persönlichkeit eingeschränkt werden – sei es, weil ein brauner Mob sie mit Gewalt davon abhält oder weil die gesellschaftliche Stigmatisierung zu stark ist. Aus genau diesem Grund ist es wichtig, am Samstag Präsenz zu zeigen! Los geht es um 12:00 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz. Ich hoffe, wir sehen uns dort.


FL; Foto: AK


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