Geyerwally - Nicht nur Boazn, sondern auch Museum

Die Geyerwally, eine Kultboazn in der Geyerstraße, hat nicht nur einen neuen Wirt, sondern gleich fünf. Doch wer denkt, dass das gleich das fünf-fache an Veränderung mit sich bringt, täuscht sich. Die Ansage: Alles soll so bleiben, wie es ist.  


Eher durch Zufall erfuhr Max Heisler davon, dass die Geyerwally einen neuen Wirt sucht: Bei einer gemeinsamen Schicht im Fraunhofer erzählt ihm die Vorbesitzerin Christa Strixner davon, dass sie ihre Boazn aufgeben will. Max zögert nicht lange, entscheidet aus dem Bauch heraus, dass er die Geyerwally zukünftig führen will. Das Ziel ist dem Münchner Gentrifizierungsgegner dabei schnell klar: Alles soll in der Geyerwally so bleiben, wie es ist. „Ein bisschen ändert sich natürlich immer. Gleichzeitig sind wir aber auch ein bisschen wie ein Museum.“, meint Max. Zwar gab es in den letzten Wochen Umbau- und Renovierungsarbeiten, doch wurde dadurch nur das nötigste geändert: Die sanitären Anlagen wurden erneuert. Das gleiche gilt für die Küche. Die Gasträume blieben von den Umbaumaßnahmen unangetastet. „Den Laden gibt es seit 1957, München kennt die Geyerwally. Es wäre fatal gewesen hier die Wände weiß zu streichen, Industrielampen reinzuhängen und hieraus ein schickes Café zu machen.“, erklärt Max das Vorhaben. Er sieht die Stärke der Geyerwally in ihrer Urigkeit: „Der Laden ist skurril, auch nett, aber eben auch etwas gradlig. Es ist halt eine Boazn‘“, meint er dazu schmunzelnd. Mit im Team sind zudem noch HUT-Stadtrat Wolfgang Zeilnhofer-Rath, dem Volkskundler Daniel Habit und Johannes Tochtermann. Sie alle möchten die Geyerwally konservieren, statt einen neuen Trend zu schaffen.

 

Max Heisler ist in München einer der bekanntesten Gentrifizierungsgegner. Bekannt geworden ist er als Gründer und Vorsitzender des „Bündnis Bezahlbares Wohnen“. Trotz vielfacher Tätigkeiten ist die Geyerwally für Max eine Herzensangelegenheit: „Bei mir in Untergiesing stirbt eine Boazn nach der anderen, aber hier gab es die Möglichkeit, ein Wohnzimmer zu übernehmen.“ Tatsächlich geht es beim Boazn-Sterben in München um weit mehr, als um die Frage, wo man abends sein Bier bekommt: Boazn sind fester Bestandteil der Münchner Kneipentradition und für viele AnwohnerInnen auch ein Stück weit Lebensmittelpunkt. Was Teilzeit-Hipster als skurrile Lokalitäten für sich entdecken sind oft die letzten Rückzugsräume der eingesessenen Bevölkerung in einem sich permanent aufhübschenden und trendigem München. Zwar profitieren viele Boazn von der kürzlich gewonnenen Popularität. Aber es besteht auch die Gefahr, dass sich Stammgäste nicht mehr wohlfühlen und schließlich ausgeschlossen werden. Diese Schwierigkeit ist den neuen Wirten bewusst. Am ersten Betriebstag gab es deshalb keine große Einweihungssause, sondern ein gemütliches Kennenlernen mit den AnwohnerInnen und Stammgästen. Auch Angst, dass die neue mediale Aufmerksamkeit die Stammkunden aus der Boazn drängen könnte, ist den Wirten fremd. „Durch die 4 Wirte, die alle ihr eigenes Netzwerk haben, kommen viele neue Leute. Ich fände es schön, wenn sich die Geyerwally zu einem Raum entwickelt, an dem sich die verschiedensten Menschen treffen.“ Laut Max sei der Volkskunde-Student, der seine Abschlussarbeit vorstellt genauso willkommen wie der skeptische und manchmal auch etwas grantige Stammgast oder die MusikerIn. „Das ist der Traum: dass sich Menschen hier kennenlernen und gemeinsam am Tresen diskutieren. Ob das allerdings Wirklichkeit wird, werden die nächsten Wochen zeigen.“

 

Dieser bodenständigen Idee sind zumindest schon einmal die Getränkepreise angepasst. Bier kostet drei Euro, Wasser oder Schorlen zwei Euro. Mit 5 Euro sind selbst Long-Drinks für chronische Pleitegeier noch erschwinglich. Doch nicht nur die Zusammensetzung der Gäste wird ein kleiner Feldversuch, sondern auch die Arbeitsteilung der Wirte: Jeder der Fünf wird einen Tag die Woche in der Geyerwally sein. Das ganze vorerst alleine, ehrenamtlich und ohne Unterstützung durch weiteres Personal. Nach drei Monaten will das Team dann entscheiden, ob das Konzept eines ehrenamtlichen Boazn-Museums aufgegangen ist oder Nachbesserungen, wie durch weiteres Personal, nötig sind. Meiner Meinung nach kann es da nur heißen: In den nächsten drei Monaten kräftig in der Geyerwally vorbeischauen. Nicht nur, dass der Laden tatsächlich urig ist. Dem Geyerwally-Team ging es nicht darum, aus dem Boazn-Hype einen populären - wenngleich auch kulturpessimistischen - Abgesang auf die verschwindenden Kneipen zu feiern; und damit noch kurzfristig Geld zu machen, ehe dann endgültig Schicht im Schacht ist. Stattdessen wird ein echtes Münchner Original mitsamt sympathischem, wenngleich auch etwas verstaubtem Interieur, erhalten. Es geht darum, ein Zeichen zwischen Gärtnerplatz und Baldeplatz zu setzen, dort, wo das Viertel in trendigen und hippen Bars und Cafés erstickt. Unterstützen kann man die Geyerwally durch den Konsum (alkoholischer)-Getränke, Montags sowie von Mittwoch bis Samstag, jeweils von 18:00 Uhr bis 00:00 Uhr. Wohl bekommt’s.


FL

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