Alternativ-Unterwegs-Guide für NeumünchnerInnen: Teil 1 – Ausgehen

Du bist neu in München und zwischen Münchner Schick und Rumgrantlern verloren? Du suchst nach den alternativen, ökologischen, sozialen und skurrilen Tipps in München? Der Einstieg ins schöne, aber auch sehr eigenwillige München kann durchaus schwer fallen. Deshalb stellt die Alternativ-Unterwegs-Redaktion nun ihre Lieblingsorte vor, um es NeumünchnerInnen etwas leichter zu machen. Diese Woche gibt Fabian Tipps rund ums Ausgehen.


Gemütlichkeit ist ein Wort, das in München wichtig ist. Gerade im Sommer ist die Abendplanung einfach: Treffpunkt Isar. Oder Englischer Garten. Hauptsache draußen.
Jetzt ist es leider Herbst. Da Münchens primäre Freizeitaktivität wegfällt, ist man schnell verloren. P1, Milchbar oder wunderliche Après-Ski-Partys. Zwischen Freitag und Sonntag kann man München ganz schnell von seiner gräuslichsten Seite erleben. Gut, dass es aber auch nette, lässige und alternative Ausgehmöglichkeiten gibt. Egal ob Bar, Restaurant oder Club – hier sind meine Empfehlungen!


Geyerwally: Kult-Boazn für das gemütliche Feierabend-Bier

Boazn, das muss man NeumünchnerInnen vielleicht erklären. Das ist ein kleines, aber doch sehr typisches Bierlokal. Erstaunlicherweise sind diese mittlerweile voll im Trend. Aus diesem Grund finden sich auch im Internet genug Listen und Fotostrecken mit Münchens schönsten und urigsten Boazn.

 

Ich erspare Dir das und empfehle nur eine Boazn: Die Geyerwally. Die ist nicht nur Wohnzimmer, sondern auch ein Stück Boazn-Museum. Trotz neuer Wirte seit diesem Jahr blieb in der Geyerwally alles beim Alten. Eine Boazn zu erhalten und damit ein Stück Münchner Stadtgeschichte zu konservieren war das Hauptanliegen der Wirte. Das merkt man auch: Das Publikum ist bunt, aber immer gut gelaunt. Die Getränkepreise sind für München human (Bier 3€, Longdrinks 5€). Geyerwally, die ist immer einen Besuch wert!


Geyerwally

Geyerstraße 17 (U-Bahn Sendlinger Tor/Fraunhoferstraße/Kolumbusplatz)

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag ab 18:00 Uhr (Dienstag Ruhetag)


Favorit-Bar: Gute Bar, gutes Vorabendprogramm

Gute Bars sind in München wahrlich nicht rar gesäht. Als besonders geeignete Anlaufstelle für das abendliche Bier hat sich die Favorit Bar erwiesen: volles Haus, aber trotzdem lässig. Mit der Favorit Bar kann man eigentlich nichts falsch machen.

 

Was weit weniger bekannt ist: Die Favorit Bar hat auch noch ein ausgezeichnetes Kulturprogramm: Manchmal skurril (Japan-Abend mit Kunst und „Musik aus früheren (Atom)-Horrorfilmen"), manchmal was für SammlerInnen (Der Schallplattenflohmarkt ist ein absolutes Muss für Vinyl-Liebhaber), manchmal politisch (Vorträge zu Rassismus in der Popkultur), aber immer einen Besuch wert. Einzig als schwierig gestaltet sich, von den Veranstaltungen zu erfahren: Dafür muss man schon ein wenig detektivistisch tätig sein. Hilfreich erweisen sich die Ankündigungen in der konspirativ anmutenden Facebook-Gruppe.

 

Favorit Bar

Damenstiftstraße 12 (S- und U-Bahn Marienplatz)

Öffnungszeiten: gefühlt 22:00 Uhr bis spät


Werkstatt Kino: Heimat von Arthouse und B-Movies

Kino? Kennst Du eines, kennst Du alle. Nicht ganz. München hat neben den großen Kinoketten eine ganze Reihe kleiner Kinos zu bieten, die nicht nur durch wundervolle Räumlichkeiten, sondern auch durch ein Programm fernab vom Mainstream auffallen. Einen Besuch wert sind das Neue Rottmann und das Museum Lichtspiele. Für den außergewöhnlichsten Kinoabend sollte es aber das Werkstatt Kino sein: Das ist die Heimat kultiger B-Movies (um nicht zu sagen: Trash) und politischer Dokumentationen. Nach dem Programm muss man ein bisschen im Internet recherchieren oder den Schaukasten an der Fassade des Werkstatt Kinos konsultieren. Zudem gibt der Altbau einen Eindruck, wie das hippe Glockenbachviertel aussah, bevor es hip war.

 

Werkstatt Kino

Fraunhoferstraße 9 (U-Bahn Fraunhoferstraße)


Leckere Mensa-Alternativen: Kunstakademie und HFF

Es braucht schon eine gewisse Frustrationstoleranz, um die Mensa des Studentenwerks auszuhalten. Manche geben die Hoffnung in der ersten Studienwoche bereits auf, andere tolerieren die kulinarischen Abgründe der Mensa ihr ganzes Studium.

Immerhin muss letzteres nicht sein: Denn es gibt genug gute Mensa-Alternativen in München. Zwei davon sind: Die Leibspeiserei an der Akademie der Bildenden Künste sowie die Kantine an der Hochschule für Fernsehen und Film. Beide servieren frisch gekochtes Essen und beweisen, dass Kantine auch schmecken kann. Die Preise sind zwar etwas teurer als beim Studentenwerk, aber trotzdem moderat: Für unter 5€ bekommt man hier eine vollwertige Mahlzeit und kann die Mittagspause auch noch mit der Kunstcrowd der Akademie und dem Nachwuchs des deutschen Films verbringen.

 




Akademie der Bildenden Künste: Akademiestraße 2-4 (U-Bahn: Universität)

Hochschule für Fernsehen und Film: Bernd-Eichinger-Platz 1 (U-Bahn: Königsplatz/Theresienstr.)


Gut, bio, bezahlbar: Münchens junge Gastronomie

Münchens Gastronomie bietet auch durchaus Abwechslung zu Schweinebraten und Leberkas. Hier unsere drei Lieblings-Alternativen:

 

Das Bon Valeur überzeugt mit stimmigen, kreativen Speisen sowohl für Veganer, Vegetarier und Fleischesser. Die Preise sind auch was für den kleinen Geldbeutel (Essen gibt es schon ab 6,50 €). Eine Oase in der Altstadt.

Bon Valeur: Sonnenstraße 17 (U-Bahn Sendlinger Tor/Stachus)

 

Im Nudo liegt der Fokus vor allem auf saisonaler und regionaler Küche. Doch nicht nur nachhaltig ist es im Nudo, sondern auch lecker. Wer in uninähe hip und lecker einkehren will, ist im Nudo genau richtig. Das kann zwar schon mal etwas teurer ausfallen (unter 10 € ist der Nudo-Besuch fast nicht zu machen), ist es aber wert!

Nudo: Amalienstraße 53 (U-Bahn Universität)

 

Zuletzt das Gratitude: Das vegane Restaurant ist nicht nur was für jene, die sich vegan ernähren, sondern eine Empfehlung an alle, die sich nach experimenteller Küche und trendigen Gerichten sehnen. Der Spaß hat seinen Preis – mit 10 € aufwärts ist zu rechnen. Da kann man auch gleich zum Menü für 29 € greifen. Schließlich muss man sich auch im teuren München mal was gönnen.

Gratitude Eatery: Türkenstraße 55 (U-Bahn Universität)


Candy Club: Münchens queere Partyreihe

Zum Schluss noch eine echte Überraschung des Münchner Nachtlebens: der Candy Club. Das ist Münchens erste (und bisher einzige) queere Party-Reihe. An ständig wechselnden Orten darf hier zu alternativer Musik getanzt werden – Abba oder Helene Fischer haben striktes Hausverbot. Überhaupt steht beim Candy Club die Musik im Vordergrund vor dem Kennenlernen. Als queere Party versteht sich der Candy Club als Anlaufstelle für Alle, unabhängig von Sexualität und Geschlecht.


Candy Club

www.candyclub.de


Das waren unsere Ausgehtipps. Noch viel mehr lässige und unterhaltsame Tipps rund ums aushäusig sein gibt es in »Alternativ Unterwegs in München«, Münchens erstem alternativ-ökologischen Stadtführer. Außerdem gibt es in Alternativ Unterwegs viele Interviews mit engagierten Menschen in München. Du kannst ihn hier bestellen, eine Leseprobe runterladen, bei diesen Verkaufsorten, oder im Buchladen deiner Wahl.


Weiter geht es am 05. November mit dem Alternativ-Unterwegs-Veranstaltungskalender. Am 12. November gibt es dann unsere Geheimtipps für Freizeit und Alltag. Da ist sicherlich nicht nur für NeumünchnerInnen einiges dabei.


FL; Fotos: AK, AB

Kommentar schreiben

Kommentare: 0